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Sommersalon

Tragikomödie von Coline Serreau

Zum zweiten Mal nach Hase Hase präsentieren wir eine lebensfrohe Tragikomödie von Coline Serreau: Eine Zeitreise kreuz und quer durch zwei Jahrhunderte. In dreimal drei Variationen erzählt sie von Hoffnungen wie Enttäuschungen, von Erfolgen und Niederlagen, die im „Sommersalon" die Verabredungen zu gemeinsamer Arbeit auf der Bühne mit sich bringen.

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Die ewige Suche nach verlorenem Glück

Um 1890, in den Kriegs- und Nachkiegsjahren 1943-46, sowie heute treffen sich jeweils zwei Paare. Sie verbindet die Liebe zur Musik und zum Theater. Es trennen sie ihre unterschiedlichen Temperamente, ihre sexuellen Interessen, ihre politischen Erfahrungen. Sie streiten über die Probenarbeit, sie verlieben sich in Partner von anderen, sind furchtbar eifersüchtig…

Dramatische Zerwürfnisse und bewegende Versöhnungsszenen der ineinander verflochtenen Geschichten ergeben ein unruhiges, tragikomisches Ganzes. Doch über das Spielen und Singen, das jede der Szenen krönt, wird das stets zu kurze aber wiederkehrende Glück ihres Miteinanders ins Zentrum gerückt.

Besetzung

Presse

LEEHEIM. „Sommersalon" feiert auf der BüchnerBühne Premiere

Kommt ein Gesangsquartett zusammen, dann sollen sich vier verschiedene Stimmen zu einem Ganzen verbinden. Es sind aber zugleich verschiedene Persönlichkeiten, die aufeinandertreen, jede mit ihren Wünschen und Hoffnungen, Ängsten und Schwächen. Statt Harmonie gibt es schnell Missklänge, zumal wenn noch die Liebe ins Spiel kommt. In verschiedenen Konstellationen und Epochen kostet „Sommersalon“, das neue Stück der Büchnerbühne, diese Grundidee immer wieder anders aus. Am Freitagabend war Premiere.

Vordergründig sind es im Paris verschiedener Zeiten die musikalischen Geschmäcker, die aufeinanderprallen, auch unterschiedliche Vorstellungen vom ordentlichen Ablauf einer Gesangsprobe. Soll man 1890 ernsten Bach singen oder doch fröhlichen Rossini? Muss es 1943 in der besetzten Stadt wirklich die verkopftee Zwölftonmusik von Arnold Schönberg sein? Kann man 2020 zusammen Jazz üben, wenn man sich nicht mal über die Probenzeit einig ist?

Tatsächlich aber, so wird in der jeweils zweiten Szene deutlich, stehen dahinter unerfüllte Sehn- und Eifersüchte, die sich in den Streitereien Luft machen, schließlich aber das ganze Quartett sprengen wollen: Manche Mitglieder halten es mit den
verdrängten Wünschen und Leiden nicht mehr aus, fordern Klarheit auf Biegen oder Brechen. Manchmal ist da nach bester Boulevard-Manier jeder in jemand anderen unglücklich verliebt, türmen sich amouröse Missverständnisse übereinander.

Die Musik, die jede der Szenen abschließt, mal live gesungen und mal eingespielt, steht längst nicht immer für die Wiederherstellung der Harmonie, sondern kann auch die Spannung innerhalb des fragilen Aufbaus fühlbar machen.
Möchte man zur Pause davon ausgehen, dass alle drei Quartette nur noch auseinanderbrechen können, so fällt in der zweiten Hälfte des Stücks das Ergebnis zuweilen überraschend aus: Manchmal ging es doch weiter, vielleicht ganz anders als erwartet. In dem von Coline Serrau als Tragikomödie konzipierten Stück kann das Ende nie ganz freudig und auch nicht ganz traurig ausfallen. Ein Schenkelklopfer ist hier nicht beabsichtigt, eher herrscht das „Lächeln trotz allem“.

Man kann bei der dreifach verwickelten Geschichte an rainierte französische Filmkomödien denken, wie sie immer wieder das deutsche Publikum staunen lassen über die Leichtigkeit, mit der im Nachbarland auch schwierige Stoffe und Situationen charmant serviert werden. Die Büchnerbühne hat schon Erfahrung mit Serrau-Stücken, gelang doch mit „Hase Hase“ von der gleichen Autorin schon 2023 eine sehr erfolgreiche Darbietung.

Den Schauspielern verlangt das sehenswerte Stück einiges ab, denn sie müssen in rascher Folge in ganz verschiedene Charaktere schlüpfen: eben noch hysterische Zicke und jetzt schüchternes Mädchen, eben noch verliebter Jüngling und jetzt sarkastischer
Spötter. Christian Suhr (der auch Regie führt), Melanie Linzer, Lara Henneberger und
Alexander Valerius gelingt das und sie beeindrucken durch ihre vielfältige
Ausdruckskraft.

Seine stärksten Passagen hat das Stück, wenn sich in der Kriegs- und Nachkriegszeit die
Weltgeschichte in die Liebeshändel einmischt und plötzlich ganz andere Dinge als die
persönlichen Eitelkeiten wichtig werden. 

09.06.24 René Granacher, DARMSTÄDTER ECHO

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